Die Illusion des Studentenlebens

Throwback von vor fünf Jahren: Ich, damals 17 Jahre alt, stehe schon bald vor der Entscheidung, was ich studieren sollte nach der Matura und machte mir viele Gedanken darüber, das Richtige zu finden.

Also nahm ich an einem Programm teil, wo man sich eine Vorlesung in dem gewünschten Studienfach anhören konnte und danach noch in einem Gespräch mit einem Studenten diverse Fragen klären konnte.

Beim Gedanken einer Fachhochschule ist im Gegensatz zur Universität immer das Wort „Schule“ extrem stark mitgeklungen. Weil ich unbedingt wissen wollte, ob es wirklich wie meine langweilige Schule war, war die Frage, die mich brennend interessiert hatte, folgende:

„Hat man als FH-Student auch ein richtiges Studentenleben?“

Und da war es. Diese utopische Vorstellung davon, was es bedeutet, ein Student zu sein. Wie dieses Leben zu verlaufen hätte. Oh, diese Vorstellung hat sich lange gebildet und war sehr ausgereift.

Man hat nicht viel Geld und muss deshalb auf kreative Lösungen, wie Patchwork-möbeln aus willhaben  zurückgreifen. Man geht jeden Abend fort. Man baut sich einen großen Freundeskreis auf, mit denen man sich in den coolen Lokalen rund um den Lendplatz oder im Univiertel trifft.

Man ist auf unzähligen Hausparties eingeladen. Man steht chronisch zu spät auf und fängt chronisch zu spät zum Lernen an. Man fährt immer mit dem Rad, weil alles andere zu teuer ist. Man ist von den Eltern finanziell abhängig.

Man feiert quasi die Party seines Lebens, hat unzählige Gspusis und denkt später gern an die wilde Zeit zurück.  Man kennt sich, die Studenten unter sich sind eine eigene Spezies. Man kennt auch unzählige Erasmusstudenten und Internationals.

Ich könnte noch ewig weitermachen und eine Milliarde Dinge aufzählen, die ich mir ausmalte, wie das Studentenleben auszusehen hatte.

So, und wie wars jetzt?

Es gab da ein paar Faktoren, die diese Illusion von Studentenleben schon von vornherein zerstört haben:

  1. Ich studierte nicht einmal in Graz, sondern wurde für ein berufsbegleitendes Studium 3 Stunden entfernt aufgenommen.
  2. Ich war nicht single.
  3. Ich war schon gar nicht arm, bedingt durch das Studium musste ich ja sowieso arbeiten.

Also standen eigentlich alle Zeichen auf:“Vergiss diese Vorstellung vom perfekten Studentenleben und mach das beste draus“.

Natürlich konnte und wollte ich das in dieser Situation partout nicht verstehen. Und so lebte ich die letzten 3 Jahre in dieser immerwährenden Suche nach diesem Leben, das es wahrscheinlich gar nicht gibt.

Immer, wenn ich in der Straßenbahn sitze und andere – potenzielle – Studenten sehe, male ich mir immer aus, wieviele Freunde die nicht hätten und welchen Lernmarathon die hinter sich haben und die wievielte Hausparty sie nicht schon erlebt hätten.

Wenn ich herumspaziere und Menschen auf den Terrassen von Lokalen sitzen sehe, werde ich neidig und wünsche mir nichts sehnlicher, als auch zu denen zu gehören oder solch einen Freundeskreis zu besitzen.

Es ist nicht so, als würde ich keine Leute kennenlernen und schüchtern sein.

Aber ich wurde eben nie in diesen heiligen Kreis der Studenten aufgenommen, weil mein Leben einfach anders verlaufen ist.

Klar gab es Momente, in denen ich in einer Bude einer Studentenverbindung sitze, wir billigen Alkohol trinken, ich viele Leute kennenlerne und exzessiv geflirtet wird.

Aber gefühlt kann ich diese Situationen an einer Hand abzählen. Diese Bekanntschaften entwickeln sich nie zu etwas mehr, am Ende des Tages bin ich dann doch zu anders und habe andere Werte und Sorgen.

Ich sollte mich verabschieden von dieser schönen Illusion, mich an anderen Dingen erfreuen und einfach mein Leben leben. Aber so ganz bin ich noch nicht dort.

Vielleicht gibt’s dich ja noch – irgendwo, auf einem fremden Planeten.

Wie ist es bei dir? Fühlst du dich auch manchmal als Außenseiter, hast dir eigentlich alles ganz anders vorgestellt und bis einfach nur enttäuscht? Erzähle mir von dir! Ich würde mich freuen.

Veröffentlicht in: Soul

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