Die alltägliche Zwiegespaltenheit des Alleine Reisens

Oh, so viel ist passiert. Und dabei ist das doch erst der Anfang. Die ersten 9 Tage!

Während ich

  • Mich bei einer Foodtour in Bangkok durchgeschlemmt habe
  • tausende Thais in schwarzer Kleidung beim großen Tempel sah, die um ihren König trauerten,
  • wilde Tuktukfahrten hinter mich gebracht habe,
  • in Ayuttaya bei strömenden Regen mit einem Longboot auf einem Fluss herumfuhr und meine Regenjacke auf den Prüfstand gestellt wurde (Rettungswesten werden überbewertet),
  • der Nachtzug auf den Weg nach Chiang Mai getestet wurde,
  • die erste Hocktoilette ausprobiert wurde (man trainiert seine Oberschenkel aber ordentlich, he!),
  • ich köstlichstes thailändisches Essen zubereiten lernte bei einer zufälligen Privatstunde,
  • bei einem Meditationsreat von buddhistischen Mönchen lernen durfte und
  • schließlich die Fahrt nach Pai mit über 760 Kurven bewältigte,

kamen bei mir immer wieder verschiedenste Gedanken hoch, die das alleine Reisen betreffen.

Solo Travel vs. Meeting people

Die ersten Tage war ich in einem ziemlich ruhigem, aber super schönem Hostel untergebracht, wo ich erstmal alleine im Zimmer war, bevor ich dann ins Dorm gewechselt habe. Ich habe, außer mit den Mitarbeitern mit fast niemandem Kontakt gehabt und fand das auch nicht schlimm, weil ich mich nicht gleich überreizen wollte und mir einen langsamen Start genehmigte.

Dann fing die Stray – Hop on Hop off Tour an mit dem Welcome-Evening in Bangkok. Auf einmal prallten 13 Leute aufeinander, es war ein Gewusel und erste Infos wurden ausgetauscht und gleich bei einem Cocktail angestoßen.

Das war nach meiner Solitüde der letzten Tage viel zu viel für mich. Ich fühlte mich so, als wären alle viel selbstbewusster, lustiger, reiseerfahrener und überhaupt viel besser geeignet für Südostasien als ich. Außerdem war ich die Einzige, die nicht Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam machte, sondern eben nur 2 Länder.

Und auch die anderen alleinreisenden Frauen, die ich seitdem kennenlernte, fanden entweder einen Travel Buddy mit dem sie für ein paar Wochen unterwegs sein werden oder sind so kontaktfreudig und offen, dass sie eigentlich nie alleine sind, sondern immer jemanden ansprechen, im Gegensatz zu mir.

Außerdem pflegen alle, die ich bis jetzt kennenlernte, einen komplett anderen Reisestil als ich, sprich Party, Abenteuer und Socializing. Was ich jedoch will: Kultur, Land und Leute kennenlernen, vor allem mich selbst besser kennenlernen und finden und meine Hobbies ausleben oder auch neue zu entdecken, sprich Yoga, Meditation, Kochen, Schreiben, Wandern etc.

Immer, wenn ich das anspreche oder meine Meinung zum Alleine Reisen kundgebe, werde ich schief angeschaut oder nicht verstanden. Ich fühle mich nicht wirklich dazugehörig.

Der Versuch, meinen eigenen Bedürfnissen nachzugehen

Ich liebe die Thais (mehr dazu in einem anderen Blogeintrag), aber ich habe das Gefühl, dass ich abgehalten werde, sie näher kennenzulernen, wegen dem ganzen Schwarm Europäer, die die ganze Zeit um mich herumwuseln.

Und dann denke ich mir: „Okay, ich kann’s mir ja so richten, wie es mir passt, also nehme ich halt mal wieder ein Einzelzimmer“ und quartierte mich in einem wunderschönen Bungalow mit Blick auf die Berge ein.

 

Ich werde ein Buch lesen, einen Blogeintrag schreiben, am Morgen vielleicht Yoga machen und heut Abend noch ein bisschen shoppen gehen, dachte ich mir. Und dann wurden meine Pläne aber auch schon wieder durchkreuzt von einem Nebenbungalow, in dem ein paar junge Backpacker zusammensitzen, Musik hören und Bier trinken.

Ich werde sofort eifersüchtig, neidisch und traurig, dass ich jetzt nich in deren Situation bin und einen tollen Abend in netter Gesellschaft verbringen kann. Am allerliebsten mit meinem Freund, meiner Familie oder Freunden, die ich schon lange kenne.

Wie passt das also zusammen? Unzufrieden in der Meute, aber auch nicht glücklich alleine? Dann bin ich noch mit meinem Scooter in die Stadt gefahren, um etwas zu essen und als ich so durch die Straßen spaziert bin fühlte ich mich so ausgegrenzt von der Masse. So viele Leute um mich herum, aber jeder steht besser da als ich.

Ich versank im puren Selbstmitleid. Wollte nichts mehr von der Welt um mich herum wissen und wurde fast schon böswillig und grantig. Kaum sprach ich mit einer Person von einem Tourenstand verflogen diese Gedanken wieder in Millisekunden und die Welt war wieder so halbwegs ok.

Manchmal denke ich mir, ich sollte mich einfach treiben lassen und nicht so viel nachdenken. Dann denke ich mir, weniger Erwartungen wären gut. Aber keine Erwartungen bringen mich auch nicht weiter.

Man nimmt seine Persönlichkeit eben doch auch überall mithin mit, wo man hingeht. Und ich will gar nicht in eine andere Person schlüpfen auf Reisen, ich mag mich so wie ich bin, ich finde auch mein Level an Kontaktfreudigkeit mehr als ausreichend. Das einzige, was noch nicht passt, ist das die Außenwelt damit klarkommt.

Vielleicht sollte ich das alles aber auch einfach nicht zu Ernst nehmen.

~Everything will be good~

PS: Pai ist richtig schön; und dass dieser Beitrag auch noch seine schönen Fotos bekommt (die mich einen saftigen Sonnenbrand kosteten!) hier das Bergpanorama von Pai:

   

 

 

4 Gedanken zu „Die alltägliche Zwiegespaltenheit des Alleine Reisens

  1. Silvia Anna sagt:

    Ich wünsche dir aus ganzem Herzen „viel Glück auf deiner Reise, höre auf dein Herz ❤️ und bleib dir treu “ du bist eine liebe und außergewöhnlich reife junge Frau. Viele tolle Erfahrungen und Eindrücke sollen dir zuteil werden.

  2. Christina sagt:

    Es ist soo schön von dir zuhören 🙂
    Ich bin vom Herzen ganz begeistert von deinen Einträgen. Und ja du bist toll so wie du bist!
    Ich freue mich auf die folgenden Einträge 🙂

  3. S.H. sagt:

    Liebe simone, ich schick dir ganz viele positive gedanken. Ich bin mir sicher du wirst noch tolle experiences 🙂 sammeln und lieben menschen begegnen.
    Alles liebe!

  4. Eva E. sagt:

    Toll geschrieben und vor allem – I feel you!
    Es wird besser, wenn dir einfach wurscht ist, ob die anderen mit dir und deinen Ansichten klarkommen oder nicht 😉 aber ich bin mir sicher, das pendelt sich bald ein und du wirst noch viele wunderschöne Momente erleben 🙂 viele Bussis aus Wien!

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