Meditationsretreat in Chiang Mai und Thai-Liebe

Dass sich meine Reise rund um das Thema Selbstfindung drehen sollte, war mir schon lange klar. Was genau das bedeutete kristallisierte sich erst mit der Zeit heraus.

Viel, viel habe ich mich von Instagrammern inspirieren lassen und sonstigen Blogs, die sich so finden ließen und irgendwie poppte Chiang Mai in Thailand immer wieder auf, vor allem im Zusammenhang mit dem sogenannten digitalen Nomadentum, was bedeutet, auf selbstständiger Basis online von überall aus arbeiten zu können.

Das Internet sei toll, es gäbe viel vegetarisches Angebot und auch viel Yoga und außerdem sei es spottbillig bei top Wetter – die besten Voraussetzungen also. Es stand also auf meiner Bucket List ganz oben.

Da mich Thailand nicht wirklich interessierte, freute ich mich eigentlich am Allermeisten auf Chiang Mai. Und wie es der Zufall so wollte, lernte ich ein paar Wochen vor meiner Abreise beim Fortgehen einen Typen kennen, der eine Weltreise hinter sich hatte und sehr viel Zeit in Chiang Mai verbrachte.

Er erzählte kurz von einem 7-tägigen Silent Meditation Retreat. Ich musste nicht mehr hören, es war fix für mich, dass ich das machen werde – wenn das mal nicht wie der Deckel auf den Topf passte!

Als blutiger Anfänger, der bisher nur mit der Headspace-App meditierte, mussten es jedoch nicht gleich 7 Tage am Stück sein ohne Sprechen!

Die Vorbereitungen

Ich begab mich also auf die Suche in den Weiten des Internets und fand einen wirklich lustigen Titel, der sofort meine Aufmerksamkeit forderte: Monk Chat.

Es handelt sich dabei um ein Programm, an dem jeder oder jede an 5 Tagen der Woche nachmittags die Mönche besuchen konnte und alle möglichen Fragen stellen könne und einfach ein Gespräch anfängt. So können die buddhistischen Mönche in den orangen Roben ihr Englisch aufbessern und die Allgemeinheit bekommt Information aus erster Hand über den spannenden Buddhismus und das Leben der Mönche.

Desweiteren bietet der Monk Chat 1- oder 2-tägige Meditationsretreats an. Das wars! Genau, was ich wollte. Und das alles nur um 500 Baht (ca. 13 €) plus jeweilige Spenden für die Mönche.

Nach ein paar Tagen in Thailand also sprang ich von meiner Tour in Chiang Mai ab, um am Retreat teilzunehmen – nicht wirklich eine Ahnung, was mich erwarten wird, war ich doch voller Vorfreude. Es fühlte sich schon so richtig an, mal etwas für mich zu machen – auch, weil ich bis dahin noch niemanden kennengelernt habe, der irgendwie die gleichen Vorstellungen hatte vom Reisen und das gleiche erreichen wollte.

Warum laufen Mönche mit Smartphones herum?

Alle trugen weiß. Wenn man keine weiße, lockere Kleidung besaß, konnte man sich für 300 Baht eine volle Montur kaufen – was ich glücklich tat. So erhielt ich eine XXXL Stoffhose und ein T-shirt. Die Hose ist riesig, aber so bequem, sodass ich sie immer tragen könnte.

Nach einer Einschulung via Powerpoint-Präsentation und vielen, vielen Witzen von einem Mönch ging es in das Meditationscenter mit dem Tuktuk – die ganze Fahrt lang wurde nichts gesprochen, was ich echt komisch fand, aber gut.

Wir bekamen unsere Zimmerschlüssel, welche aus Zweibettzimmern des gleichen Geschlechts bestanden. So schlief ich mit einer aus Weißrussland stammenden Frau, die in den USA lebte und gerade für ein paar Monate alleine herumreiste.

Nach einer kurzen Plauderrunde begann dann das Meditieren. Sie teilten uns mit, nicht zu sprechen, und so gut wie die ganzen zwei Tage zu meditieren, beziehungsweise bewusst durch die Welt zu schreiten.

Es war magisch. Jeder in der gleichen Kleidung, es war so egal, ob man eine Frau oder Mann war und ob man Europäer oder Asiate war oder reich oder arm. Alle waren gleich.

Wir lernten 4 verschiedene Meditationsarten: klassich im Sitzen, Geh-Meditation, Steh-Meditation und Meditation im Liegen. Außerdem wurde viel gesungen und ganz viel über den Buddhismus gelernt. Gegessen wurde nachdem ein kurzer „Dankesgesang“ für das Essen ausgesprochen.

Wir saßen meist in einem klimatisierten großen Meditationssaal, aber auch mal draußen nachts oder früh morgens. Am zweiten Tag bekamen wir Reis, welchen wir den Mönchen „spenden“ sollten, da diese nicht kochen dürfen und außerdem hatten wir unseren persönlichen Monk Chat mit ihnen, wo wir alle Fragen stellen konnten, die uns interessierten.

Es war bunt gemixt von Meditationsfragen hin zum alltäglichen Leben der Mönche. Und so kam auch die Frage, wie der Buddhismus zu moderner Technologie stehe und warum sie keine Frauen angreifen dürften.

Sie antworteten jede Frage mit größter Sorgfalt und hatten überall eine passende Antwort parat. Wenn das Handy für gute Zwecke benutzt würde, wie zB. In Kontakt mit Familie zu bleiben, sei es völlig legitim. Nur man solle immer die Balance beibehalten.

Liebeserklärung an Thailand

Nach dem ersten Tag war ich völlig erfüllt und glücklich. Und hier möchte ich nun einige Gedanken mit euch teilen, die mir zu der Zeit kamen; ein paar tage nach meiner Ankunft in Thailand. Man könnte es auch als eine Liebeserklärung an Thailand nennen:

„Thailand, du bist einfach der Wahnsinn. So vielfältig, so einzigartig und so nett. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so nette Menschen getroffen – aber man muss einfach mitlächeln. Und das meine ich nicht auf eine oberflächliche Art und Weise, sondern durch und durch ehrlich. So hilfsbereit, das ist ein Wahnsinn.

Ein Thai sieht nur das Gute in dir und geht noch extra 300 % weiter, um die weiterzuhelfen. Dabei ist er aber nicht aufdringlich, sondern genau zur richtigen Stelle da. Ein Wahnsinn ist das. Auf jeden Fall erstrebenswert. Und diese Mönche! Sie verstehen es genau, wann es angebracht ist, Witze zu reißen und dann ernst zu sein. So aus dem FF. Bewundernswerte Leute, echt. Und eigentlich wollte ich doch nach Bali…

Da verstehe ich auch das erste mal, was es heißt, wenn man sagt, dass man einfach eine Person anlächeln soll, um eine Verbindung herzustellen. Ich fühle mich gleich dazugehörig, wenn man nur lächelt. Und es ist einfach schön, wenn sie zurücklächeln.

Meditation ist cool – da kommt man mal drauf, wie gut es einem eigentlich geht. Zuerst ist es ganz cool, nichts Großartiges, dann merkt man, wie zach und anstrengend das ist und schlussendlich setzt die pure Leichtigkeit ein und man empfindet eine riesen Dankbarkeit.

Der Buddhismus ist schon eine einzigartige Religion, so liebevoll und sich kümmernd um alle Lebewesen. Und nicht so streng, es dürfen auch gerne Witze gemacht werden. Und noch dazu auf freiwilliger Basis.

Ich spüre diese Liebe überall um mich herum, sie wird nur so von den Thais und den Mönchen versprüht. Wie schön das Leben doch mit liebevollen Begegnungen doch ist!“

Falls noch weitere Fragen bestehen, gerne in den Kommentaren 😊

PS: Ich übernehme keine Garantie auf Richtigkeit meiner Wiedergabe des Buddhismus oder von Meditation, das Retreat war auf Englisch und ich habe lediglich versucht, alles so gut wie möglich zu übersetzen.

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