Der Unterschied zwischen Extro- und Introvertierte und was Laos damit zu tun hat

Extrovertierte lieben es unter Menschen zu sein und bekommen dadurch Energie. Sie fühlen sich vollkommen und glücklich. Wenn sie danach ins Bett gehen, haben sie ein gutes Gefühl, den Tag mit Menschen um sich verbracht zu haben.

Bei Introvertierten hingegen wird Energie entzogen, wenn sie unter Menschen sind. Man kann es sich vorstellen, wie einen Handyakku, der irgendwann ausgeht. Dann sind die Batterien leer und müssen wieder neu aufgeladen werden.

Introvertiertheit ist nicht das Gleiche wie Schüchternheit. Introvertierte können sehr wohl offen und aufgeschlossen sein, auf Leute zugehen und Spaß haben. Auch haben Sie gerne Menschen um sich herum, so lange es nicht zu viel wird.

Tja, mir sind die Batterien vor kurzem ausgegangen. Und zwar so richtig.

Ich habe es nicht einmal bemerkt anfangs, es ist so viel passiert, es war so wenig Zeit, nachzudenken. Nach einer unglaublich tollen Zeit in Chiang Mai und Pai, wo ein angemessenes Verhältnis zwischen Ausruhen / Chillen und Ausflügen und Abenteuer stattfand, und ich die besten Leute kennenlernte, ging es schlussendlich mit meiner Straytour weiter in Richtung Laos.

Am ersten Tag ging es mit einem Minivan in Richtung Chiang Rai zum berühmten weißen Tempel, bevor es dann über die Grenze nach Laos ging. Es war eine komplett neue Gruppe, ausschließlich bestehend aus Englisch-Muttersprachlern und mir. Die Fahrt dauerte ca 7 Stunden, bevor wir am Grenzörtchen Huay Xai schließlich unser Quartier bezogen.

Ich mein, ich kenn‘ es ja von mir, dass ich immer in einem neuen Land einen kleinen Kulturschock erlebe und mich am liebsten anfangs nur im Bett verkriechen möchte, aber andererseits wollte ich mich ein bisschen mit der Gruppe connecten und war irgendwie aufgeregt, ein neues Land kennenzulernen.

Wie es der Zufall so wollte, war gerade ein Lichterfest in Laos, wo kleine Schiffchen aus Blumen und Bananenstamm gebastelt werden, im Mekong aufgesetzt werden und dann noch Feuerwerke usw gezunden werden.

Natürlich machten wir mit. Das ganze Städtchen hat sich versammelt, unzählige Kinder waren auf den Straßen und hatten ihren Spaß. Raketen wurden aus der Hand weg geschossen und überall verbrachte man eine gute Zeit.

     

Klingt eigentlich ganz cool, oder?

Nein. Ganz und gar nicht.

Je mehr Raketen losgeschossen wurden, desto schreckhafter wurde ich, ich hielt es irgendwann nicht mehr aus. Die ganzen Leute um mich herum, die neue Gruppe, ein neues Land, und dazu war ich noch extrem übermüdet von den letzten Tagen und Wochen.

Irgendwann verließ ich dann die Gruppe fluchtartig, stürmte ins Gästehaus, sperrte mich ins Zimmer ein und drehte die Musik laut auf. Ich begann, meine Gedanken aufzuschreiben und schaltete einfach mal ab.

Keine Rücksicht auf Verluste. Ich wollte niemanden sehen, niemanden hören, einfach nur für mich sein.

Mit den richtigen Spotify-Playlists und einiger Taktiken war dann gott sei dank nach einer Stunde alles wieder halbwegs ok.

Doch das sollte nicht lange so bleiben…

Laos: eine sehr intensive Reiseerfahrung

Am nächsten Tag ging es auf ein so genanntes Slowboat, welches den Mekong-Fluss entlangtuckert, bis wir abends bei einer Gastfamilie in einem ursprünglichem Dorf in Laos ankamen und von dort am nächsten Tag wieder den ganzen Tag im Boot verbrachten.

Es waren also 3 sehr intensive Reisetage, geprägt von einer sehr intensiven Erfahrung in einem armen Dorf in Lao, wo wir 60 % Schnaps getrunken haben, eine Zeremonie mit einem Schamanen begleiten durften und schlussendlich am Boden mit einem Moskitonetz übernachteten. Wir konnten uns nicht unterhalten mit den Einheimischen, wegen den Sprachbarrieren.

 

 

 

 

 

Ich, wieder einmal übermüdet, konnte mich kaum noch auf den Füßen halten und war in diesem Zustand wieder einmal leicht ängstlich und verstand absolut nicht, was da gerade abging. Die anderen schwärmten von einer intensiven Erfahrung, die sie die Einheimischen besser verstehen ließ, ich jedoch war einfach nur verwirrt und überfordert.

Und, weil ich es anscheinend immer noch nicht gecheckt habe, machte ich einfach weiter und weiter und weiter. Immer neue Leute, immer außer Haus, immer mehr mehr mehr.

Nach einer Dschungelwanderung am nächsten Tag dann, wo wir sehr unvorbereitet unterwegs waren, mir dann wegen der Hitze schlecht wurde, und ich keinen Schritt mehr weitergehen wollte, hab ich es dann endlich gerafft:

Ich muss aufhören damit.

Konnte nichts mehr genießen, wollte nichts mehr tun, außer im Bett zu liegen und keine Menschenseele um mich herum zu sehen. Ich konnte Laos nicht mehr so weiterbereisen, wie bisher. Mittlerweile hasste ich Laos schon und wollte komplett weg. Konnte mir nicht vorstellen,  noch einen Tag länger hier zu bleiben.

Es waren nur ein paar Tage, aber die haben gereicht, um mich sehr an meine persönlichen Grenzen zu drängen. Jeden verdammten Tag.

Es war sehr schwer für mich, diese Entscheidung zu treffen, dass ich Laos verlassen werde, weil es bedeutete, dass ich viel Geld verliere, da ich die Tour nicht weiterführe, zusätzlich noch viel Geld ausgeben werde, weil ich wo anders hinfliege (weil ich auch keinen Bus oder Boot für mehr als 2-3 Stunden sehen konnte) und dass ich wieder komplett auf mich alleine gestellt war, und all die tollen Menschen, die ich kennengelernt habe, hinter mich lassen muss.

Aber nach ewigem Hadern war die Entscheidung aber getroffen. Ich folgte meinem Herzen und dem, was sich im Moment richtig anfühlte. Und das sagte: Thailand!

Sonne, Strand und Meer: Batterien werden geladen …

Die Anreise nach Koh Phangan war alles andere als einfach und billig, aber hier bin ich nun, in einem wunderschönen Hostel direkt am Meer mit vielen Hängematten zum Chillen und einem Pool und Restaurant.

Ich muss mich echt anstrengen, nicht wieder in alte Muster zu verfallen und mich Leuten anzuschließen, die diverse Dinge unternehmen. Es ist ja gar nicht so einfach, mal nichts zu tun und dabei seiner Seele Gutes zu tun!

Das Gefühl, etwas zu verpassen, ist allgegenwertig. Doch ich weiß, dass ich mir diese Zeit jetzt einfach geben muss. Es fühlt sich auf jeden Fall schon so viel besser an, wieder in Thailand zu sein.

Lesen, am Strand liegen, ins Meer gehen, gut essen, entspannen, und Seele baumeln lassen, und alleine sein. Dieses alleine sein schon wieder… 😀 Nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Aber gut.

Nach einem Tag kann ich sagen: es kribbelt schon wieder so langsam unter den Fingernägeln und neue Pläne werden bereits geschmiedet, wo es danach weitergeht – wieder ins Abenteuer! Dieses mal aber mit voll geladenen Batterien, viel Zeit, um mich selbst nicht zu verlieren und einer gesunden Balance und vor allem Schlaf.

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