Pai: Wie sich das Ankommen auf Reisen anfühlt

I love you, Pai.

Bei dir habe ich so viel erlebt. Du hast mir so viel gegeben. Du warst ganz speziell. Am besten fange ich von ganz von vorne an, um all deine Schönheit zeigen zu können; um all deine Facetten ins richtige Licht zu setzen. Denn du bist so besonders und gibst so viel.

Als ich mit der Tour unterwegs war, stand für mich schon fest, dass ich in Chiang Mai nicht sofort weiterfahren würde, sondern mir dort viel Zeit gönnen wollte. Pai hatte ich dabei immer im Hinterkopf, da ich schon ein paar mal davon gelesen hatte auf diversen Blogs. Soll wohl so ein chilliges Bergdörfchen sein mit viel schöner Natur und coolen Backpackern.

Ich war also gerade auf der Rückfahrt vom Meditationsretreat in Chiang Mai und wusste, dass einige meiner Bekanntschaften von Stray schon in Pai waren. Aber das war‘s auch schon. Internet im Meditationsretreat – Fehlanzeige. Also konnte ich auch nichts recherchieren. Der Fahrer fragte mich am Schluss, als wir schon in Chiang Mai angekommen waren, wo er mich hinbringen sollte, und ich so: “Ich will nach Pai – also irgendeine Busstation bitte.“

Irgendwie landete ich also mit einem israelischen Pärchen in einem Tuktuk in Richtung Busstation nach Pai. Sie waren schon dort und konnten mir ein paar Insidertipps geben. Auf der Bushaltestelle lies ich mich zum richtigen Schalter lotsen und bekam den letzten Bus des Tages um umgerechnet nicht einmal 4 € nach Pai.

Beste Busfahrt nach Pai

Oh boy! Diese Busfahrt! Ich würde sagen, die Hin- und Herfahrt von Chiang Mai nach Pai wurde fast einer meiner Lieblingsstories, wenn ich über meine Reise erzähle.

Angeblich bewältigt man auf dieser 3-4 Stunden Fahrt mehr als 760 Kurven, es sind nur etwas mehr wie 100 km aber die Straße geht eben mitten durch die Berge. Man fährt in einem Minibus, der ca 10-15 Personen beherbergen kann und auf jedem Sitz befindet sich mindestens 1 Speibsackerl. Die Busfahrer bleiben nicht einmal stehen, wenn sich jemand übergeben muss, weil das anscheinend eh täglich mehrmals vorkommt.

Ich hatte schon eine leise Vorahnung davon und deshalb habe ich extra schon Reisetabletten vor meiner Reise gekauft. Die Apothekerin meinte damals, dass sie mir welche mit Koffein geben will, damit ich nicht so müde werde, aber ich nur so: „Ich will ja schlafen, wenn ich länger unterwegs bin.“

Ich wusste nicht, dass diese Tabletten einen wirklich SO müde machten!

Ich verschlief also die halbe Fahrt, was echt ein Wunder ist bei den Kurven, und als ich aufwachte, hörte ich schon eine Mitinsassin in ihre Tüte kotzen. Was war ich froh um diese Tabletten!

Als ich ankam und kurz Internet hatte, konnte ich zumindest ausfindig machen, in welchem Hostel meine Bekannte schlief und lotste mich mithilfe von maps.me dorthin. Es war schon längst dunkel, und der allabendliche Night market war in vollem Gange. Vom ersten Moment an gefiel es mir hier irgendwie.

Sehenswürdigkeiten schien es hier nicht viele zu geben, zumindest widmete mein Lonely Planet Pai nur ca. 2 Seiten. Ich hatte keinen Schimmer, wie lange ich bleiben würde und was mich alles erwarten würde.

Die ersten zwei Nächte & meine erste Mopederfahrung in Pai

Abends unterhielt ich mich noch mit dem Hostelinhaber und ein paar Gästen (bei zwei Zimmern im ganzen Hostel lernt man alle sehr schnell kennen 😉), er erklärte mir viel über die Lebensumstände in Thailand, deren Wirtschaft und Politik. Immer wieder hörte ich, dass Pai nur wegen der Leute wegen so unglaublich toll sei. Dass alle so gechillt seien – joah, konnte ich noch nicht wirklich bestätigen.

Am nächsten Tag kam eins zum andern, und plötzlich war ich auf dem Weg zum Scooter Rental. Du musst wissen, dass es zwei Arten von reisenden Mädels gibt: Die, die sich nichts schei*** und überall mit dem Moped in Thailand herumfuhren und die, die sich niemals auf so ein Gefährt alleine raufsetzen würden und sich immer einen Mann suchen, wo sie hinten mitfahren können. In Pai kann man nämlich ohne Moped nicht so viel machen, da alles eher in den herumliegenden Gegenden ist, anstatt im Stadtkern.

Wer war ich also in dem Szenario? Nun, da mir nichts anderes übrig blieb, wohl die erstere!

Ich ergatterte ein uraltes Modell, das so viele Kilometer oben hatte, wie nicht einmal unser Auto daheim. Es war klein, hatte ganz viele Hello Kitty Sticker oben und nicht wirklich top in Schuss. Aber wenigstens war es billig :D. Als ich vorsichtig meine ersten Runden drehte, merkte ich ganz schnell, dass ich reflexmäßig immer auf der rechten Seite fahren will. War ein bisschen kontraproduktiv, in einem Land des Linksverkehrs.

Der Tag führte mich also mit meiner Bekannten von Stray und einem Typen aus Israel zu einem chinesischen Aussichtspunkt, wo man die unglaublich schöne Natur vom Norden Thailands bestaunen konnte. Dass ich den Berg fast nicht hochgekommen bin, sei mal außen vor gelassen.

Er lud uns dann noch ein, zu seinem Hostel essen zu gehen, weil dort ein begnadeter Koch arbeitete. Wie sich im Nachhinein heraus stellte, sollte ich dieses Hostel nicht zum letzten Mal besucht haben. Aber für diese kommende Nacht buchte ich mir einen typischen kleinen Bungalow auf Stelzen, neben dem Fluss in Pai, wo ich auch meinen Blogeintrag verfasste über das Alleine reisen. Der Hostelbesitzer meiner ersten Unterkunft war sogar so nett und brachte mir das Gepäck dorthin, weil ich mich noch nicht sicher genug am Moped fühlte.

180 Grad Wendung

Da ich noch nicht viel gesehen hatte von Pai und mich irgendwie schon dazu verpflichtet fühlte, alles auszuprobieren, was dieser Ort zu bieten hatte, buchte ich für den nächsten Tag eine Tour, die alle Sehenswürdigkeiten abklappert. Auch in der Hoffnung natürlich, Leute kennenzulernen. Ich habe für mich beschlossen, nach diesen 3 Tagen wieder zurück zu fahren und dann die Tour von Stray fortzusetzen.

Also, deine letzte Chance, Pai! Streng dich an!

Natürlich hatte es mich nicht enttäuscht. An diesem Tag erlebte ich unglaublich schöne Dinge, wo ich gar nicht glauben konnte, dass so viel in einem Tag Platz hat.

Wir fuhren stundenlang mit einem offenen Tuktuk durch die Wildnis und sahen die atemberaubende Natur von Pai’s Umgebung. Wie sich die Berge und die Wälder durchschlängelten und die Wolken und der Nebel sich tief niederließen, um ein Spektakel zu bieten, an dem man sich nicht satt sehen kann und daneben die Reisfelder in dem sattesten Grün durchsämten – es war einfach wunderschön.

Wir besuchten eine Tropfsteinhöhle, fuhren mit Bambusbooten dort hindurch, fuhren zu einem Wasserfall, und zu heißen Quellen. Die heißen Quellen kann man sich vorstellen, wie einen kleinen Fluss, der verschiedene Terrassen hat und heiß ist. Da es recht kalt war an diesem Tag, war es eine gelungene Abwechslung.

Und was passiert da? Ich treffe Niels, Amanda und Steve, die ich schon in Chiang Mai im Hostel getroffen hatte. Ich konnte diesen Zufall gar nicht glauben, wir verstanden uns sofort megagut im heißen Wasser und ich fühlte mich extrem wohl mit ihnen und dann schlugen sie mir vor, in ihrem Hostel zu wohnen, da noch ein Bett frei sei. Ich hatte eh noch keine Ahnung, was ich diese Nacht machen sollte, und bedankte mich riesig dafür, dass sich alles so gefügt hatte und Pai mir noch nicht Tschüss sagen wollte. Es stellte sich heraus, dass es das gleiche Hostel ist, an dem ich am Tag zuvor essen war!

Danach ging es noch zum weißen Buddha, der in den Bergen versteckt war, und zum Pai Canyon, was auch ein unglaublich schönes Bild zauberte. Also Naturmäßig hat Pai echt was zu bieten. Jetzt fehlte nur noch diese eine Komponente der coolen Leute, von dem alle so geschwärmt haben.

Nachdem die Tour also zuende war, fuhr mich der Tourguide noch mit seinem Moped in das neue Hostel, welches übrigens nur 4 € kostete, ich klopfte an die Tür, und war angekommen bei meinen neuen Freunden. Später stellte sich heraus, dass sie nicht glaubten, dass ich wirklich kommen würde, weil Reisebekanntschaften sich ja öfter mal im Sand verlaufen. Aber wir hatten von Anfang an Spaß miteinander und so kam es dann, dass wir auch am Abend noch fortgingen.

Es galt, einen neuen Night market auszuprobieren. Doch es stellte sich heraus, dass das ein Kinder-Rummelplatz war – egal. So malten wir einen Pikachu aus Ton an, setzten uns in das kleine Riesenrad und drehten ein paar Runden und hatten Spaß. Danach ging es noch in den Ort in die Hakuna Matata Bar, in der die anderen schon ein paar mal waren und ich lernte das Nachtleben von Pai kennen.

Es gibt unglaublich viele Hippies in Pai. Es gibt Live Musik. Gute Stimmung, neue Spiele, viel Getanze, wie eine Gemeinschaft. Durch den Trauermonat vom alten König von Thailand war alles jedoch schon um 24 Uhr zu, außer die „Don’t cry“ Bar. Geweint habe ich dort nicht, aber irgendwann bekam ich so einen starken Hustenanfall von all den Klimaanlagen, sodass wir auch dort dann rausgehen mussten. Von da an hatte ich jedoch noch jeden Abend wunderbare Gespräche, die in der lauen Sommernacht nicht perfekter hätten sein können.

Und so fuhr ich nicht am nächsten Tag zurück, denn es war viel zu toll. Endlich hatte ich Menschen um mich herum, bei denen ich mich wohl fühlte und ganz Ich selbst sein konnte.

Jungle Trek

Hangover, hin oder her – eine Wanderung wollte gemacht werden. Mitten im Regenwald, neben einem Fluss bis zu einem Wasserfall. Alles startete in dem „Hostel“ Walhalla. Es war praktisch eine Hippie Enklave, wo man in der Natur draußen auf Hängematten schlief. Crazy, crazy, aber auf jeden Fall sehenswert.

Der Trek war angeschrieben für 2 Stunden. Wir wussten ja, dass 2 Stunden thailändische Zeit wahrscheinlich etwas mehr bedeuteten, aber dass es dann so lang dauern würde, war dann doch unerwartet. Wir mussten den Fluss ungefähr 5000 mal überqueren, also Schuhe aus – danach wieder Schuhe an. Das wurde mir irgendwdann zu blöd und ich ging in Wasser triefenden Wanderschuhen ohne Socken dahin. Dann fing es an heftigst zu regnen. Ich hatte keinen Schimmer, wo wir waren, noch, wie wir hier rauskommen würden, noch hatte ich irgendeine Dschungelerfahrung. Wir drehten also um und badeten dann, als es aufhörte noch im Fluss. Ich betrachtete es als eine wunderschöne Wanderung, auch wenn wir das Ziel nicht erreicht hatten. Ich mein, wer kann schon behaupten, im Dschungel im strömenden Regen gewandert zu sein und die wunderschöne Natur gesehen zu haben!?

Abends dann wieder die gleiche Geschichte, essen gehen, fortgehen. Langsam wurde ich zur Partymaus. Und so verlängerte ich Nacht für Nacht im Hostel und endete dann für ca. 1 Woche in Pai. Nach einem chilligen Pooltag, Billiard spielen, meiner ersten Massage in Thailand, nächtliches Gitarre spielen, und vielen, vielen guten Gesprächen später stand die „Heimreise“ nach Chiang Mai an.

Getting high on the bus im doppelten Sinne

Da wir uns so gut verstanden, entschieden sich Niels und ich, gemeinsam weiter zu reisen. Also zurück zum gefürchteten Minibus! Ich, vorsichtshalber schon 2 Reisetabletten genommen, versuchte  zu schlafen, und schlug meinen Schädel bei jeder Kurve saftig an die Seite des Autos an, aber war mir egal, ich war müde. Niels wollte nichts nehmen, aber dann war ihm so schlecht, sodass ich ihn überreden konnte und wir die Busfahrt überlebten.

Im Bus, mit Musik im Ohr sinnierte ich über meine Zeit in Pai und wurde unglaublich glücklich und dankbar. Die letzten Tage waren genau so, wie ich mir meine Reise vorgestellt hatte, nein – sie war noch viel besser. Ich lernte Menschen kennen, die sicher für immer in meinem Herzen bleiben werden, lernte viel über meine Grenzen hinauszugehen, auch was den Schlafmangel betraf und fühlte mich einfach, als wäre ich angekommen auf der Reise.

Ich war so dankbar dafür, nicht alleine sein zu müssen, sondern zu zweit zu reisen und so einige Lasten von mir fallen konnten. Fühlte mich sicher und einfach nur gut. Nichts konnte mir an diesem Tag noch etwas anhaben, ich wollte einfach nur Liebe vergeben und andere mit meiner Laune anstecken. Also erzählte ich es Niels, und so sehr er mir auch zuhören wollte, er konnte mir nicht antworten, da er sich so konzentrieren musste, nicht zu kotzen. War ein lustiges Szenario. 😀

Auf einmal blieb der Bus stehen und wir schraken auf. Sind wir schon da? Wir torkelten heraus, völlig benebelt von diesen Tabletten, deren Wirkung noch lange nicht nachgelassen hatte. Ich konnte kaum reden, wollte so gern, aber mein Gehirn war Matsch. Dann musste ich wieder über mich selber lachen, wie lustig diese Situation doch war und wie verrückt diese Reise ist.

Wir versuchten, etwas zu essen, schliefen aber dabei fast ein und auch auf der Tuktukfahrt in die Stadt wurde es nicht besser. Im Hostel angekommen konnte ich mich kaum noch halten, um den Check-in zu machen, denn ich brauchte unbedingt ein Bett. Auf diesem kleinen Hocker am Front desk erforderte es meine höchste Konzentration, nicht umzufallen und einzuschlafen. Es war der helligste Tag, also eigentlich kein Grund zum Schlafen. Muss echt lustig ausgesehen haben. Es flossen also auch keine gescheiten Wörter aus mir raus, das meiste war wirres Gemurmel.

Aber hey! Zumindest war mir nicht schlecht bei den 760 Kurven! 😉

Und so endete eine wunderbare Zeit in Pai, die ich nie vergessen werde. Ich kann es nur jedem empfehlen, denn Thailand hat so viel mehr zu bieten, als Inseln und Strand. Und auch ich kann jetzt sagen: Die Magie von Pai kommt von den wunderbaren Leuten, die man dort trifft. Nicht zu vergessen, die Rahmenbedingungen wie wunderbares Wetter, welches nicht zu heiß und auch ohne Klimaanlage zu bewältigen ist und die unglaublich günstigen Preise, die das Leben dort erschwinglich machen. Man muss nur die Busfahrt dorthin überleben … 😀

 

2 Gedanken zu „Pai: Wie sich das Ankommen auf Reisen anfühlt

  1. Magdalena sagt:

    Hallo Simone,

    toller Bericht! Hört sich wirklich an als hättest du jede Menge Spaß gehabt. Kannst du mir verraten, wie die Unterkunft mit dem Bungalow neben dem Fluss hieß? Das scheint mir ganz nach meinem Geschmack zu sein 🙂

    Danke und viele Grüße
    Magdalena

    • simone sagt:

      JA Es war super!! Der bungalow hat pai homey geheissen (auf agoda gefunden). Aber wenn du dort in die gegend fährst findest du einen haufen solcher unterkünfte, die alle mehr als bezahlbar sind und einer süsser als der andere 😍. Ich hab 13€ für den ganzen bungalow bezahlt inkl frühstück!

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