Zeiten ändern sich. Zeiten ändern mich.

Heute beim Rückflug bzw. auf dem Rückweg von London ist mir eines aufgefallen: Ich bin nicht mehr bereit, dass ich einen billigen Flug nehme, der mir aber so viele Nerven kostet. Ich bin nicht mehr bereit dafür, unnötige Strapazen auf mich zu nehmen, nur weil ich dann ein paar Euro spare. Ich will es komfortabler haben.

Ich war immer eine, die auf Low Budget geachtet hat. Der es egal war, wie lange man unterwegs war, in welchen Unterkünften man geschlafen hat. Ich wollte einfach  nur das pure Abenteuer.

Ja, Abenteuer. Das ist das richtige Wort. Ich wollte den Kick eines neuen Landes, das Unwissen, das Chaos. Vielleicht war mein Leben nicht spannend genug, und ich musste es mir deshalb auf Reisen spannend gestalten, damit ich auch etwas zu erzählen habe. Und das am besten, so oft wie möglich.

Vielleicht liegt es daran, dass es eine Geburtstagsreise für meine Eltern war. Vielleicht wollte ich deshalb alles perfekt haben.

Aber ganz ehrlicherweise schleicht sich dieses Verhaltens- bzw. Gedankenmuster schon die letzten Monate ein.

Throwback zum Start ins „richtige“ Leben

Ich weiß noch ganz genau, als ich vor ca. einem halben Jahr meine erste Vollzeitstelle annahm. Das erste Mal nach dem Studium eine seriöse Stelle annehmen, in der ich ganze 40 Stunden pro Woche arbeiten muss mit bloß 5 Wochen Urlaub pro Jahr.

Ob ich bereit dafür war? Puh. Irgendwie schon und irgendwie auch nicht.

Ich weiß noch ganz genau, wie sich die ersten paar Wochen, wenn nicht Monate angefühlt haben. Plötzlich hatte ich das Gefühl, keine Zeit mehr zu haben, keine Zeit mehr für mich, keine Zeit mehr für meine Hobbies, keine Zeit mehr für meinen Freund, keine Zeit mehr zum Reisen.

Und dabei war mir das immer so unglaublich wichtig gewesen. Während des Studiums habe ich immer wieder zu meinen Kollegen gesagt, dass ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, jemals 40 Stunden pro Woche zu arbeiten.

(Disclaimer: Ich weiß, ich weiß, Luxusprobleme und so, wahrscheinlich lachen mich die meisten jetzt aus, weil der Großteil der Gesellschaft ganz normal 40 Stunden arbeitet und sich nicht beschwert. Aber zum Großteil der Gesellschaft habe ich noch nie gehört 😉 )

Ich wollte eine Alternative, wollte zwischendurch die Selbstständigkeit erlangen, vielleicht auch irgendwas Kreatives, oder mit weniger Stunden und dementsprechend weniger Geld über die Runden kommen.

Ich weiß noch, wie erschöpft ich jeden Tag war. Ich musste 10+ Stunden schlafen, um halbwegs fit zu sein. Die Beziehung zu meinem Freund litt, es war mir nicht genug, nur zum Schlafen vorbeizukommen und nichts mehr zu unternehmen. Alles drehte sich nur mehr um die Arbeit.

Ich hatte viele Gespräche mit Familie und Freunden, die mir sagten, dass sich alles einpendeln würde und der Start bei etwas Neuem immer etwas Zeit benötige. Ich hörte Ihre Stimmen zwar, aber ich konnte es beim besten Willen nicht glauben. Nach 2-3 Monaten war dieses Gefühl immer noch da, und ich wollte einfach schon alles können, alles wissen und völlig integriert sein.

Prioritäten setzen

Dann startete ich, teils bewusst, teils unbewusst, mir Prioritäten zu setzen.

Eine Date-Night pro Woche mit meinem Freund, wo wir ganz für uns sind und etwas Tolles unternehmen beispielsweise. Und so änderte sich Stück für Stück alles, was ich nicht für möglich gehalten hätte.

Normalerweise will ich immer alles sofort und am besten gleichzeitig. Ich kann nichts abwarten und habe keinen noch so winzigen Glauben daran, dass sich die Situation jemals ändern wird.

Und jetzt?

Jetzt kommt es, wie automatisch, dass ich mir manche Sachen einfach nicht mehr antun will, meine Zeit nicht aufopfern will, wenn es mir keinen Spaß oder Freude bereitet. Ich sage bewusst „Nein“ zu Dingen, die mir keinen persönlichen Mehrwert bringen. Ich setze meine Zeit viel bewusster ein. Ich selektiere viel mehr. Ich verschwende meine Zeit nicht mehr, wenn ich nicht muss.

Bisher war ich ein echtes Lulu, was Zeitmanagement anging, weil ich eh immer viel zu viel davon hatte. Ich richtete es mir immer so ein, dass ich mehr als genügend Spielraum für meine persönliche Entfaltung ließ.

Jetzt brauche ich das nicht einmal mehr. Ich liebe meine Arbeit, ich bin so, so gerne mit meinen Kollegen zusammen, fühle mich wie in einer großen Familie. Ich fühle mich aufgehoben, akzeptiert und respektiert.

Ich brauche keine elendslange Zeit mehr für mich alleine, weil ich mich erden muss oder zurück zu mir selber finden muss. Weil ich das jetzt in meinem Alltag Tag für Tag leben kann.

Und die restliche Zeit, (die übrigens genauso viel Zeit pro Tag ist, wie man arbeitet: 8 Stunden Arbeit + 8 Stunden Freizeit + 8 Stunden Schlaf = 24 Stunden) verbringe ich lieber mit Dingen, die mir wirklich wichtig sind. Mit Dingen, die mich glücklich machen. Mit Dingen, die mich erfüllen.

Und deshalb will ich einfach nicht billig fliegen, wenn ich nicht muss, weil es mir um die Zeit zu schade ist ;). Anderer Flughafen – kompliziertere Anfahrt – null Service – nein danke.

Das Ironische an dieser Geschichte ist, dass ich niemals von mir selber gedacht hätte, dass solche Dinge aus meinem Mund kommen. Ich war der Verfechter schlechthin von Billigreisen und gegen Vollzeitjobs.

Bin wohl alt geworden.

Oder weise.

Oder beides 🙂

Aber auf jeden Fall noch immer glücklich.

Gemütszustand: Glücklich

Und das ist es doch, was zählt im Leben. Scheiß darauf, was die anderen von dir denken, was die Gesellschaft von dir erwartet, wie du zu sein hättest oder was du denken sollst. So lange du mit dir im Reinen bist und dich nicht selbst belügst ist alles gut.

Ich bin in den letzten Monaten viel ruhiger geworden, also in meinem Kopf. Ich will nicht mehr immer alles anzweifeln am System, nicht mehr gegen den Strom schwimmen sondern auch einmal probieren, wie es sich anfühlt, mit ihm zu schwimmen. Ich suhle mich in diesem neuen Leben, bin ein Teil von einer großen Familie. Ich habe seltener schlaflose Nächte, weil mich irgendetwas so eindringlich beschäftigt.

In den letzten Monaten gab es keine ultimativen Hochs und Tiefs wie auf meiner Thailand-Reise, es ging die meiste Zeit immer beschwingt dahin. Auf der positiven Seite. Ich hatte kein Bedürfnis danach, meine Seele hinaus zu schreien und zu schreiben. Bin geerdet und fühle mich einfach nur gut.

So eine Zeit war bitter nötig nach dieser Achterbahnfahrt an Gefühlen in Asien. Ich habe jetzt wieder einen festen Stand und habe kein Bedürfnis danach, weglaufen zu wollen und in ein anderes Land zu flüchten.

Ich bin so dankbar dafür, dass ich den Weg in die schönen Alpen der Steiermark gefunden habe und erfreue mich jeden Tag erneut an den Bergen, der unglaublichen Natur und der tollen Menschen.

Hach, herrlich 🙂

Ich wünsche dir, der du das liest, auch eine wunderschöne Zeit und einen tollen Tag!

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